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Wahr oder falsch? Fünf Trink-Mythen im Check

Kaffee dehydriert. Wer Durst hat, trinkt zu spät. Zwei bis drei Liter Wasser müssen wir täglich trinken. Richtiges Trinken – ein Kinderspiel? Mitnichten. Mythen zum Thema Trinken und Ernährung sind so vielzählig wie die Mineralwasserquellen in der Schweiz. Doch was ist an den teilweise kuriosen Gerüchten dran? Die ganzheitliche Ernährungsberaterin Irene Held räumt mit den populären Mythen auf.

Zwei bis drei Liter Wasser pro Tag

Zweieinhalb Liter. Ungefähr so viel Flüssigkeit verliert unser Körper täglich, wobei die Menge abhängig von Faktoren wie Alter, Körpergewicht, Klima oder der Arbeitsbelastung ist. «Was ausgeschieden wird, muss auch wieder zugeführt werden», weiss die ganzheitliche Ernährungsberaterin Irene Held. Klingt simpel – müssen wir aber zwei bis drei Liter trinken? «Etwa ein Drittel des Flüssigkeitsbedarfs wird über feste Nahrung aufgenommen und mehr als die Hälfte über Getränke», so Held. Genau genommen müsse man 30 bis 35 Milliliter pro Körpergewicht aufnehmen. Das entspricht im Durchschnitt etwa ein bis zwei Litern.

Mythen-Check: Falsch

Wer Durst hat, trinkt zu spät

«Durst ist nicht einfach eine Mitteilung des Körpers, dass wir trinken sollen», erklärt Held. «Wenn man Durst empfindet, hat man bereits einen Wasserverlust von einem Prozent.» Das sind bei einer erwachsenen Person etwa 0.7 Liter – also etwa die Hälfte unseres Tagesbedarfs. Das heisst: Wer erst trinkt, wenn ein Durstgefühl aufkommt, trinkt zu spät.

Mythen-Check: Wahr

Wussten Sie schon?

Zum Thema richtiges Trinken gibt es unzählige Mythen. Auf diese drei Fakten können Sie sich aber verlassen.
  • Der durchschnittliche Flüssigkeitsbedarf des Menschen liegt etwa bei 30 bis 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm ergibt das etwa 2.1 Liter.

  • Ohne Essen kommt der menschliche Körper etwa zwei bis drei Wochen aus. Ohne Trinken zwei bis drei Tage.

  • Ein erwachsener Mensch besteht zwischen 50 und 70 Prozent aus Wasser, ein Säugling zu etwa 85 Prozent.

Viel trinken hilft bei Krankheit

Den mütterlichen Rat, bei Krankheit viel zu trinken, kennt wohl jedes Kind. Was die Ernährungsexpertin dazu sagt? «Bei Krankheiten mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall ist unser Flüssigkeitsbedarf durch die grossen Wasserverluste stark erhöht», weiss Held. Die Flüssigkeitszufuhr ist deshalb gerade bei Krankheiten mit hohem Flüssigkeitsverlust das A und O: Ob Tee, Mineralwasser oder ein isotonisches Getränk, «wichtig ist, dass wir viel trinken und das Defizit wettmachen».

Mythen-Check: Teilweise wahr

Unser Körper verliert nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Natürliches Mineralwasser ist als hypotonisches Getränk ein toller Durstlöscher, da der Körper beides – Mineralstoffe und Flüssigkeit – gut aufnehmen kann.

Irene Held, ganzheitliche Ernährungsberaterin IKP

Zu viel trinken kann man nicht

Doch, man kann. Der zugehörige Fachbegriff: Hypotone Hyperhydration. Zu einer solchen Wasservergiftung kann es ab einer Flüssigkeitszufuhr von etwa sieben Litern kommen. «Dabei muss man in einer sehr kurzen Zeit enorm viel trinken», so Held. «Das kann unter Umständen fatale Folgen haben.»

Mythen Check: Falsch

Trink-Mythen im Check

Haben Sie schon aufgeräumt? An welchen Mythos haben Sie bis jetzt geglaubt?

Ein Glas Wasser zum Espresso? Kaffee dehydriert. Ich habe stets zwei bis drei Liter Wasser getrunken. Zu viel trinken? Kann man nicht.
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Kaffee dehydriert

Kaffee – der Lieblingswachmacher schlechthin soll unseren Körper austrocknen. «Stimmt nicht», so die Ernährungsberaterin. «Auch koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder schwarzer und grüner Tee tragen zur Flüssigkeitszufuhr bei.» Als Durstlöscher sei das schwarze Gold allerdings weniger geeignet: «Kaffee reduziert das Durstempfinden. Leute mit sehr hohem Kaffeekonsum können dieses gar verlieren», erklärt sie. «Drei bis vier Tassen Kaffee können Sie pro Tag aber problemlos geniessen.»

Mythen-Check: Falsch

 

Christiane Zwahlen | Leiterin Kommunikation, Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten

Weitere Informationen

Irene Held ist ganzheitliche Ernährungsberaterin IKP. Aktuell ist die diplomierte Betriebsökonomin in der Ausbildung zur Ernährungs-Psychologischen Beraterin an der Fachschule für Ernährungs-Psychologie IKP und in eigener Praxis in Dübendorf tätig
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