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Umwelt | David Arnold

Pflichtpfand auf Getränkeverpackungen: vier Fragen an Marcel Kreber

Erneut verlangt eine parlamentarische Initiative ein Pflichtpfand auf Getränkeverpackungen, obwohl dieselbe Forderung schon mehrfach abgelehnt wurde. Ein Pflichtpfand wird immer wieder als Massnahme gegen Littering genannt. Marcel Kreber, Sekretär des Schweizerischen Vereins für umweltgerechte Getränkeverpackungen, erklärt, wieso dies nicht stimmt.

Ein Pflichtpfand auf Getränkeverpackungen soll gegen Littering helfen. Was spricht dagegen?

Die Fakten belegen, dass ein Pfand auf Getränkeverpackungen das Littering-Problem nicht löst. 87 Prozent des Litterings machen nämlich andere Abfälle wie Take-away-Verpackungen, Zeitungen oder Zigarettenstummel aus. Sechs Prozent sind Getränkeverpackungen, die gar nicht rückgabefähig sind, also Kartons, Scherben und Deckel. 93 Prozent des Abfalls würden folglich trotz Pflichtpfand liegen bleiben.

Der Gesetzgeber hat ein Pflichtpfand wiederholt abgelehnt. Dieses würde dem erfolgreichen Schweizer Recyclingsystem schaden. Eine Rückgabe wäre nur noch über die Verkaufsstellen möglich. Von aktuell 100’000 Sammelstellen würden nur 7’000 übrigbleiben. Zudem wären diese nur während der Öffnungszeiten zugänglich. Dass die Verwertungsquoten steigen würden, ist unwahrscheinlich. Zu erwarten wäre vielmehr ein massiver Komfortverlust für Konsumentinnen und Konsumenten.

 

Würde ein Pflichtpfand Glas-Mehrwegflaschen fördern und zu weniger PET-Einwegflaschen führen?

Im Gegenteil. Getränkeverpackungen könnten nur noch bei Verkaufsstellen zurückgegeben werden. Der Handel müsste 300’000 Tonnen Glas, Alu und PET zusätzlich sammeln. Um die Logistik zu entlasten, würde der Handel wohl vermehrt auf leichte und komprimierbare PET-Getränkeflaschen oder Aludosen setzen.

Dass ein Pflichtpfand die Mehrwegquote nicht steigert, hat sich in Deutschland gezeigt. Dort ist die Mehrwegquote seit Einführung des Pflichtpfands 2004 um 24 Prozent gesunken. Das deutsche Umweltbundesamt stellte bereits 2010 fest, dass das Pflichtpfand nicht dazu beiträgt, die Mehrwegquote zu erhöhen.

Wieso weist PET die tiefere Verwertungsquote auf als Aluminium und Glas?

Aufgrund der Unzerbrechlichkeit und des leichten Gewichts sind PET-Getränkeflaschen äusserst beliebte Getränkeverpackungen, die vor allem auch unterwegs oft genutzt werden. Dort ist die Sammlung besonders anspruchsvoll, denn viele Konsumentinnen und Konsumenten sind nicht bereit, leere PET-Getränkeflaschen weit zu tragen. Wo keine PET-Sammelstellen vorhanden sind, landen PET-Getränkeflaschen eher im Abfall.

Ein Pflichtpfand würde diese Situation noch verschärfen, weil dadurch viele Sammelstellen verloren gingen. Eine breite Allianz aus Recyclingorganisationen, Verbänden und öffentlichen Kooperationen lehnt deshalb ein Pflichtpfand ab.

 

Stärkt ein Pflichtpfand das Recyclingsystem?

Für Länder ohne funktionierende Sammelinfrastruktur kann das Pfand eine Massnahme sein, um die Sammelquoten zu steigern. In der Schweiz haben wir aber ein sehr bewährtes und tief in der Bevölkerung verankertes Recyclingsystem, das auf Freiwilligkeit beruht. Ein Pfand wird, wo sinnvoll, bereits heute eingesetzt.

Ein allgemeines Pflichtpfand ist für das Schweizer Erfolgsmodell keine sinnvolle Ergänzung. Die freiwilligen Recyclinglösungen für Aludosen, Glas- und PET-Getränkeflaschen würden faktisch vernichtet. Negativ auswirken würde sich ein Pflichtpfand auch auf die Organisationen, die das Recyclingsystem laufend optimieren. Ein Pfandsystem konzentriert sich rein auf die Sammlung. Das steht der Weiterentwicklung von klugen Recyclinglösungen im Weg. Ein Pflichtpfand würde das Recyclingsystem also nicht stärken, sondern schwächen.

David Arnold | Leiter Kommunikation, Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten

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